Die kleine feine Zeitreise.
by Neogine on Januar 16, 2012
Eigentlich ist es ja so, wenn man ein Wiedersehen mit einer Begebenheit aus vergangenen Zeiten hat, freut man sich und wenn es gut kommt werden Erinnerungen, genau aus dieser Zeit, besprochen und darüber gelacht. So ein wiedersehen ist doch was schönes.
Ich hatte heute die Gelegenheit, aus einem eher traurigen Hintergrund heraus, die Glauchauer Psychiatrie “Station 18″ zu besuchen. Wer diesen Blog bzw. mich ein wenig kennt, wird es jetzt ahnen das dieser Besuch nicht einfach nur ein üblicher Krankenhausbesuch war. Nein, es war wie eine kleine Zeitreise. Aber fangen wir ganz von vorne an.
Alles begang damit, das ich am Donnerstag von einer guten Freundin und damaligen Ex-Patientin eine SMS erhielt, das Sie wieder auf Station 18 sei. In einer Gefühlsmischung aus langer Vorahnung und Traurig sein über die eingetretene Situation, war mir aber relativ schnell klar, wie schnell eigentlich sowas sogar mir wieder passieren könnte. Aus gegebenen Anlass vereinbarte ich mit Ihr einen Besuchstermin und dieser sollte auch gleichzeitig für mich ein Treffen mit der alten Zeit werden. Es ist ja immerhin schon wieder 3 Jahre her, 3 Jahre indem soviel passiert ist.
Heute an diesem Sonntag war es nun soweit, gegen 13 Uhr ist dieser Besuch geplant. Also fuhr ich gegen 12:30 Uhr von Zuhause los. Während der Fahrt ging mir, neben vielen anderen Gedanken, so einiges zu diesem Besuch durch den Kopf. Ganz oben an der Spitze die Frage, wie werde ich auf die Eindrücke wenn ich wieder mittendrin steh, reagieren. Welche Erinnerungen werden wieder geweckt? Treffe ich altbekannte von damals wieder? Zwei Minuten vor 1 stand ich nun mit meinem Auto auf dem Parkplatz des Glauchauer Klinikums, nachdem ich mir einen Parkschein holte, in ihm Auto gut sichtbar hinterlegte, lief ich über die Straße zu einem Tor hinzu, dessen Weg dahinter direkt an der Tagesklinik vorbeiführte. Hinter mir – von damals noch kennend – eine Krankenschwester die genau den gleichen Weg nahm und wahrscheinlich ihren Sonntagsdienst antrat, Sie wird sich wohl so ihre Gedanken gemacht haben als Sie mich sah und vielleicht wiedererkannte. Währenddessen ich lief, schaute ich mich um, es kam alles wieder so vertraut vor, nur eben halt anders. Kein Wunder, damals war Sommer. Als ich dann die große Tür der Abteilung “Psychatrie und Psychotherapie Glauchau” Tür betrat kam mir schon der erste Flashback. Ein Geruch lag in der Nase denn ich ganze 8 Wochen lang tagtäglich gerochen habe. Als ich dann linker Hand die direkte Tür zur Station18 betrat war das wie ein Gefühl, ey Alter, bist du eigentlich Besucher oder Patient? Soll heißen, klingt blöd ich weiß, aber ich habe mich wie Zuhause gefühlt. War alles so vertraut.
Die ersten paar Meter in dem ca. 50m langen Gang getätigt, entgegnete mir doch völlig unvorbereitet und unverhofft eines der ersten Patienten von damals die ich auf Station kennenlernte. Er litt damals an Psychosen und hatte aller Wahrscheinlichkeit wieder Symptome bemerkt, schlau wer da rechtzeitig die nötigen Hebel in gang setzt, damit es nicht in schlimmeres ausartet. Erfreut ihn wiederzusehen, liegt an der Freude aber was makaberes, immerhin hat er wieder sein Problem an der Backe und ich hätte ihn viel lieber draußen auf der Straße begegnet. Aber was solls, mit der Aussage “dich kenn ich doch” war der erste Kontakt bereits wieder hergestellt.
Nach dieser Begegnung wollte ich nun endlich diejenige Person sehen, wegen der ich eigentlich an diesem Ort zurückkehrte. Sie ausgemacht, spazierten wir erstmal die Runde die wir damals zuhauf gelaufen sind. Am Tag manchmal 2-3mal, nur um einmal frische Luft zu schnappen und kurz dem Stationsalltag zu entfliehen. Wie immer erzählten wir viel, Themen wie “Wie ist es wieder dazu gekommen?” bzw. “Wie geht´s weiter?” wurden besprochen und auch viel gelacht. Wir wissen eben bestens mit der Situation umzugehen und es ist mittlerweile ein fester Bestandteil unseres Lebens geworden, Patienten oder eher gesagt Betroffene einer psychischen Krankheit zu sein. Als wir wieder auf Station ankamen spielten wir ganz lässig 3 Runden Mikado und erzählten über vergangene Tage auf Station, dabei wurden Erinnerungen wach die hatte man schon längst tief im Kopf vergraben. Währendessen wir spielten immer der dezente Blick durch die Scheibe des Essenraums nach draußen auf dem Gang. Man trifft nach wie vor noch die eine oder andere Kuriosität an Patient an. So mancher “Normalo” wieder hier und da einfach nur da sitzen und kein Wort finden, was er da sieht, ehrlich gesagt, wenn man seit Jahren mit sowas konfrontiert wird und vor 3 Jahren ganze 8 Wochen intensivst. Dann kann einem beinahe nix mehr schocken. Im gegenteil, die tolle Eigenschaft die jeder Mensch haben sollte, nämlich die “Tolleranz” und “Wertschätzung eines jeden einzelnen Menschen” egal wie alt und welchen Sozialstatus wieder besitzt wird massivst gestärkt. Man beginnt dem Menschen einfach nur zu schätzen, auch wenn die gewisse Macke die dann doch jeder mit sich rum trägt einem innerlich doch manchmal ein wenig nervt. Aber hey, man weiß wo man ist, hier ist alles möglich.
Nach der 3ten Runde Mikado starteten wir dann noch einen Kurzausflug Richtung klinikinternen Kiosk der Sonntags ab 14Uhr geöffnet hat. Danach wieder in der Station angekommen saßen wir wieder im Essenraum und ich genehmigte mir pünktlich um3, ja auf Station gibt´s einen festen Tagesablauf, einen Kaffee. Dazu gesellte sich der Patient, dem ich Anfangs ganz unverhofft auf dem Gang begegnete. Wir erzählten wieder und Liesen vergangenes Resümee passieren. Was ist aus jedem geworden, und eine Frage immer wieder… kannst du dich noch an dem und dem erinnern? Nachdem mehrmals eine Raucherpause vor dem Haus eingelegt wurde saßen wir letztendlich nochmal im Gang und quatschten noch ein wenig miteinander und beobachteten das Treiben. Sicherlich am Sonntag mehr als ruhig. Da ist logischerweise in der Woche mehr los. Gegen 16 Uhr trat ich dann wieder nach 3h den Heimweg an. Im Gepäck mit vielen Eindrücken und Momenten die erstmal ihren Platz in meinem Kopf suchen.
Abschließend muss ich sagen, ich bin mit der Gewissheit das es jederzeit zum Rückfall kommen kann bestens vertraut. Vor dem brauch man sich bzw. ich nicht fürchten. Ich für meinen Teil nehme aus dieser Sache viel mit und immerhin hat mich diese damalige Erfahrung weitreichend verändert und auch reifer gemacht bzw. stände ich heute nicht da wo ich jetzt bin. Indem ich mein Hobby als Beruf ausüben kann. Ich denke ich werde die kommende Woche, diese Patientin und gleichzeitig gute Freundin nochmals besuchen. Auch wenn es mir in der Station um einiges besser ging, ich weiß das die dort vorherrschende Atmosphäre rein garnix mit dem Leben da draußen zutun hat, was um einiges rauer ist. Sie ist halt unrealistisch Nett will ich mal sagen. Was den Patienten dort wiederum sehr gut tut. Und so manchen würde ich diese Erfahrung selbst mal machen lassen. Nicht das ich jemand eine psychische Krankheit wünsche, um Himmels willen. Aber die Erfahrung an sich, verändert Menschen und meiner Meinung nach sehr oft zum positiven.






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