“Gib mir´n kleines bisschen Sicherheit…

by Neogine on Oktober 9, 2011

… in einer Welt in der nichts sicher scheint. Gib mir in dieser schweren Zeit irgendwas das bleibt.” Genau so fängt ein Song der Band “Silbermond” an, der mich heute noch an eine Situation erinnert bzw. viele Erinnerungen in mir hochkommen lässt.

Ich lag damals in meinem Krankenbett, der Psychiatrie Glauchau auf Station 18, im vorletzten Zimmer. Die ganze rechte Seite des Zimmers war mein Reich. Ein multifunktionaler Beistelltisch fürs Bett, das Bett an sich und ein Kleiderschrank. Nicht im typischen Krankenhausflair, nein, alles wirkte eher wie ein Wohnheim. Das war für ganze 8 Wochen meine Umgebung in der ich versuchte mein Leben und meine psychischen Probleme in den Griff zu bekommen. Aus heutiger Sicht, bisher erfolgreich.

Vor einiger Zeit hörte ich in meiner Musiksammlung mir mal wieder Lieder an, die ich schon sehr lange nicht mehr gehört hatte und bei “Irgendwas das bleibt” von Silbermond kam mir dann auch die Idee zu diesem Beitrag. Natürlich hat Silbermond viele viele andere schöne Lieder, kein Zweifel. Doch dieser Song handelt von einer Eigenschaft die ein Mensch als Grundbedürfnis neben Liebe und Zuneigung etc. einfach braucht. Sicherheit. Viele Angststörungen und Unruhezustände im Leben berufen auf den Mangel von “innerer Sicherheit”. Dabei rede ich noch nicht mal von Sicherheit im Zusammenhang mit körperlicher Unversehrtheit, sondern Unsicherheit in Situationen, Gedankenmustern wie Verhaltensmustern sowie Umgang mit anderen Menschen, Umgang mit der Umwelt usw.

Damals lag auf der linken Seite des Zimmers ein Patient, er war schwarz, ca. 1-2 Jahre Jünger als ich, hatte wahrscheinlich Familiäre Probleme und sehr starke Alpträume die dann in Angst- und Panikattacken endeten. Eines Tages, nach dem Mittagessen folgte immer die Mittagsruhe bis 14 Uhr. Ich legte mich zu dieser Zeit auch oft hin und genoss die Ruhe. Dabei hörte ich das Lied von Silbermond aus dem Handy des gegenüberliegenden Patienten, irgendwie passte es zu dieser Situation. Es beschrieb genau das was mir zu diesem Zeitpunkt sehr sehr fehlte. Eben Sicherheit. Wir schauten beide aus dem Fenster und ich hatte den Gedanke “Welche Scheiß Welt ist das da draußen nur?”. Mir blieb natürlich nix anderes übrig,  als mich mit “dieser Welt” in irgendeiner Form wieder anzufreunden, auf eine Art und Weise mit der ich klarkam.

Er spielte dieses Lied nun mehrmals nacheinander ab und es sprach mich emotional sehr an. Dies veranlasste mich später, mir dies von seinem auf mein Handy zu übertragen. Danach hörte ich es immer wieder in bestimmten Situationen und genau dadurch wurde es ein Lied was mich heute noch genau an diese Zeit erinnert. Ist schon komisch, einerseits eine sehr schlechte Zeit, andererseits eine Zeit ohne die ich niemals meinen Lebensweg so gegangen wäre wie heute und der ist Hammer.

Schönen Sonntag noch.

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